Reliquienlegende

Reliquiengeschichte

Die Wirren um 1800

Neugotische Kirche

Neugotische Kirche

Grablege des Grafen Fürstenberg: im Hintergrund ein Heiliges Grab. Apollinarisberg, Remagen

Der Apollinarisberg war 1807 von den Brüdern Sulpiz und Melchior Boisseré erworben worden, die ihn zum Mittelpunkt gesellschaftlichen Lebens und Begegnungsstätte für Künstler, Gelehrte, Politiker und Schriftsteller machten. 1836 verkauften die Boisserés ihren Besitz an den damaligen Freiherrn und späteren Grafen von Fürstenberg-Stammheim, der plante, eine neue Kirche als Hauptwerk der Nazarener zu bauen und dort eine Grablege für sein Geschlecht zu errichten. Kein Geringerer als Ernst Friedrich Zwirner, der als preußischer Dombaumeister den Kölner Dom vollendete, entwarf und baute von 1839 bis 1853 die neugotische Apollinariskirche, die ein Gesamtkunstwerk von Architektur und Malerei wurde. Man baute eine neogotische Kirche, um Wandflächen zum Ausmalen zu gewinnen, denn die Ausmalung übernahmen die „Nazarener”, eine Gruppe von Künstlern, die nach der Säkularisation eine neudeutsch-religiös-patriotische Kunst schaffen wollten. Ihr deutsches Zentrum war die Kunstakademie in Düsseldorf und der Düsseldorfer Akademiedirektor Wilhelm von Schadow war ihr Protektor. Sie verbreiteten ihre Kunst auch in Form von Stahlstichen seit 1841 über den „Verein zur Verbreitung religiöser Bilder in Düsseldorf”, der erst unter den Bomben des Zweiten Weltkrieges endete.

Kopfreliquiar des hl. Apollinaris, gestiftet von den Düsseldorfer Katholiken, am 25.01.1826 nach Remagen zurückgekehrt

Ist es nicht ein merkwürdiger Zufall, dass 1383 mehr oder minder freiwillig Reliquien vom Apollinarisberg nach Düsseldorf gelangten und Düsseldorfer Künstler im 19. Jahrhundert die neue Kirche auf dem Apollinarisberg gestalteten? Und dass das dem Düsseldorfer Zugriff 1383 entzogene Heiligenhaupt 1812 den Gebeinen nach Düsseldorf folgte, aber - verschönt durch ein von den Düsseldorfern gestiftetes Kopfreliquienbehältnis - wieder nach Remagen zurückgegeben wurde?

© Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln


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