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Reliquiengeschichte
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St. Apollinaris, Remagen, von der Stadt aus gesehen
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Natürlich ist diese Legende nicht zu beweisen. Sie taucht auch erst 1463 erstmals bei Theodor Pauli auf, Prior zu St. Vincent in Gorinden, Niederlande. Hintergrund der Legende dürfte die Zeitgleichheit vom 23. Juli, dem Festtag des hl. Apollinaris, und dem 23. Juli sein, der in Köln zum Translationsfest der hl. Dreikönige wurde. Im übrigen gibt es keine Belege dafür, dass die Apollinarisreliquien von Rainald von Dassel zusammen mit dem Dreikönigsreliquien als Kriegsbeute aus Italien nach Deutschland gebracht worden sind. Zwar kann ihr Vorhandensein in Remagen erst für 1405 urkundlich nachgewiesen werden, aber Apollinariswallfahrten lassen sich schon 1384 nachweisen, interessanterweise ein Jahr nach dem Raub der Reliquien durch Herzog Wilhelm I. Wie lässt sich nun dies wieder erklären?
Eine schlüssige Antwort gibt eine Theorie, die Franz-Ludwig Greb aufgestellt hat: Theoderich von Ravenna und der Merowinger Chlodwig waren Verbündete. Untereinander tauschte man auch Heilige aus: Martin von Tours wird nachweislich in den örtlichen Heiligenkreis von Ravenna aufgenommen, in Reims geschieht gleiches mit Apollinaris - eine Apollinarisabtei entsteht. Da in Reims ein namensgleicher Heiliger verehrt wurde, der unter Diokletian enthauptet worden war, wurden dessen Reliquien in der Abtei aufbewahrt. In Ravenna dagegen war das Wissen um den Aufbewahrungsort der Reliquien über 200 Jahre verloren und so entstand der Glaube, sie befänden sich in Reims. Die wirklichen Gebeine des hl. Apollinaris von Ravenna wurden erst 1175 wieder in Ravenna entdeckt.
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Grabtumba des hl. Apollinaris in Remagen aus dem 14. Jh., Liegefigur aus dem 19. Jh.
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Die Apollinarisabtei in Reims aber verarmte im 11. Jahrhundert und wurde 1050 aufgehoben. Zwischenzeitlich hatte Kaiser Otto III. in Aachen-Burtscheid 1003 eine Apollinarisabtei gegründet, zu deren reicher Ausstattung auch Weinberge in Remagen gehörten. Die Reimser Apollinarisreliquien wurden in die Aachener Apollinarisabtei übertragen. Als 1250 Reichsverweser Engelbert von Berg, Erzbischof von Köln, die an ihrem eigenen Reichtum erstickte Abtei in Aachen auflöste und den Besitz Zisterzienserinnen übergab, suchten diese sofort alle Traditionen abzubrechen. Sie rissen die Abteikirche ab und suchten sich auch der Apollinarisreliquien, die schon zwei Abteien überlebt hatten, zu entledigen. Sie brachten die Reliquien nach Remagen auf den - damals so genannten - Martinsberg. Dieser Kultort diente schon in vorchristlicher Zeit kultischen Zwecken. Eine Martinskirche, wahrscheinlich auf den Fundamenten einer Kirche aus dem 6. Jahrhundert erbaut, die dem Ort den Namen Martinsberg gegeben hatte, wurde im 11. Jahrhundert an die Siegburger Benediktiner übergeben, die dort im 12. Jahrhundert eine Propstei errichteten. Im 12./13. Jahrhundert erfolgte der Neubau einer Kirche, deren Krypta dem heiligen Nikolaus geweiht wurde. Die Reliquien des hl. Apollinaris blieben sozusagen in der Familie: Die Zisterzienserinnen gaben sie an andere Benediktiner weiter, die sie in der Nachbarschaft ihrer Remagener Besitzungen kennen gelernt hatten. Aus dem Remagener Martinsberg wurde der Apollinarisberg.
So weit, so gut. Wie aber, so darf man fragen, können in Remagen ein Jahr nach dem Reliquienraub durch die Düsseldorfer Apollinarisreliquien verehrt werden? Ein Ritter mit Namen Gerhard von Einenberg war dem jülisch-bergischen Herzog zuvorgekommen und hatte 1383 das Haupt des hl. Apollinaris vor dem Reliquienräuber auf der Burg Landskrone in Sicherheit gebracht. Das Haupt ruhte später in dem aus dem 14. Jahrhundert stammenden Sarkophag, dessen Deckel im 19. Jahrhundert entstand.
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